foucaultblog

Editorial

Das Denken und die intellektuelle Praxis von Michel Foucault (1926-1984) sind für eine unüberschaubare Zahl von wissenschaftlichen, künstlerischen und politischen Projekten eine Referenz von ungebrochener Faszination. Noch immer, bald dreißig Jahre nach seinem Tod, werden neue Interviews und Vorlesungen des französischen Philosophen und Historikers publiziert, noch immer ist sein Werk nicht kategorisiert und „begriffen“, noch immer bleibt es für uns voller Überraschungen, und noch immer laden daher seine Texte zum Neu- und Wiederlesen, lädt sein Denken zum Weiterdenken ein.

Oft allerdings erscheint "Foucault" nicht nur als unvermeidliche, sondern auch als schier übermächtige Referenz, gestützt von einer doxa, die ihren maître à penser zu kennen glaubt und dazu neigt, das ebenso bewegliche wie von seiner eigenen Zeitgenossenschaft getragene Denken Foucaults zu einer Art Lehre zu verformen. Foucault ist zwar noch lange nicht "tot", zugleich aber könnte eine gewisse Historisierung, das heißt ein sorgfältiger Blick auf Foucaults vergangene Gegenwart, sich als Mittel erweisen, den dogmatischen Verengungen der Rezeption zu entgehen.

Dieser foucaultblog dient daher beidem: der unverhohlenen Faszination wie der kühlen Historisierung. Er soll dieses doppelte Ziel erreichen, indem er in kurzer, prägnanter Form die Breite und die Vielfalt der Bezugnahmen auf Foucault sowie der Forschungen über Foucault reflektiert – und dabei zum kritischen Weiterdenken einlädt. Der foucaultblog soll ein offenes Forum all jener sein, die mit Foucault nicht zu Ende gekommen sind.

Wir HerausgeberInnen des foucaultblog sind Historikerinnen und Kulturwissenschaftler aus Zürich, München, Wien und Paris, die in verschiedenen Projekten mit und über Foucault arbeiten, ohne uns über Foucault immer einig zu sein. Diese Offenheit soll auch den foucaultblog prägen. Wir freuen uns über alle Texte, die zu einer solchen Debatte beitragen.

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