Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

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Kinder in der Munitionsfabrik

Kinderarbeit in der Genfer Munitionsfabrik Piccard-Pictet und Cie (SLM 102442.31)

Prof. Dr. Jakob Tanner

Büro 117
Mail: jtanner [at] hist.uzh.ch
Sprechstunde: Dienstag 10-12 Uhr
Telefonische Voranmeldung

im Sekretariat (Silvia Rodríguez)Profil

Dr. Roman Rossfeld

Büro 315
Mail: Rossfeld [at] fsw.uzh.ch
+41 (0)44 634 36 57

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Lic. phil. Oliver Schneider

Büro U 13
Mail: oliver.schneider [at] access.uzh.ch

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M.A. Florian Weber

Büro U 13
Mail: florian.weber [at] fsw.uzh.ch

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Eckdaten

Projektdauer: Oktober 2012 - September 2015
Unterstützt durch:

SNF-Sinergia-Projekt

Die Schweiz im Ersten Weltkrieg

Transnationale Perspektiven auf einen Kleinstaat im totalen Krieg

Projektbeschreibung

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 endete das „lange 19. Jahrhundert“. In den folgenden vier Kriegsjahren kam es zu einer nachhaltigen Transformation der modernen kapitalistischen Industriegesellschaften, in der sich Tendenzen durchsetzten, die in den Jahrzehnten um 1900 bereits angelegt waren. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – in denen Millionen von Toten zu beklagen waren – wurde die Schweiz nicht in den Krieg hineingezogen und hielt während des gesamten Krieges am Konzept der integralen Neutralität fest. Angesichts der vielfältigen Austauschprozesse zwischen der Schweiz und den kriegsführenden Ländern hatte der Krieg aber auch hier gravierende Auswirkungen. Trotz der Abwesenheit direkter Kriegshandlungen kam es vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Totalisierung der Kriegführung im Ausland auch in der Schweiz zu einer Verarmung breiter Bevölkerungskreise sowie einer fortschreitenden gesellschaftlichen Polarisierung und Desintegration, die im Landesstreik von 1918 kulminierte. Obwohl die Folgen des Krieges die schweizerische Politik, Wirtschaft und Kultur noch Jahrzehnte später prägen sollten und für die weitere Entwicklung des Landes ausgesprochen wichtig waren, ist die Geschichte der Schweiz im Ersten Weltkrieg bis anhin kaum erforscht worden.

Das vorliegende Sinergia-Projekt an dem die Universitäten Zürich (Leitung), Bern, Genf und Luzern beteiligt sind, fokussiert auf die dynamische Veränderung der Erfahrungsräume und Erwartungshorizonte im Krieg und fragt nach den vielfältigen Austausch- und Interaktionsprozessen zwischen der Schweiz und den kriegsführenden Ländern sowie nach den Handlungsspielräumen eines neutralen Kleinstaates im Krieg. Ausgehend von einer transnationalen Perspektive soll dies an Hand von drei, eng miteinander verbundenen Teilprojekten (mit insgesamt sechs Dissertationen) untersucht werden: (A) der Bedeutung der „enemy aliens“, der Migration und Mobilisation von Menschen und Gütern im Krieg, (B) den Auswirkungen des Krieges auf die Entwicklung politischer Entscheidungsprozesse, demokratischer Institutionen und der (zunehmend eingeschränkten) politischen Partizipation sowie (C) dem Verhältnis von Brutalisierung, Militarisierung und humanitärer Diplomatie, die nicht zuletzt mit Blick auf die – immer wieder in Frage gestellte – Neutralität des Landes eine wichtige Rolle spielte.

Angestrebt wird damit ein grundlegender Beitrag zu einer transnational angelegten Geschichte des Ersten Weltkrieges. Damit wird es möglich, die historische Entwicklung der Schweiz mit ihrer offenen Volkswirtschaft und ihren vielfältigen Abhängigkeiten auf neue Weise zu verstehen. Der Fokus auf die Integration politischer, wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Aspekte in den einzelnen Teilprojekten verbunden mit einer transnationalen Perspektive macht dieses Projekt auch in der internationalen Forschung einzigartig. Der Zeitpunkt für die Umsetzung dieses Projektes ist ausgesprochen günstig: 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Hundertsten Mal, was die internationale Einbettung und den – für die transnationale Perspektive wichtigen – Austausch mit anderen Forschungsprojekten stark erleichtern wird.