Abgeschlossene Forschungsprojekte

Liebe Marta

Ratgeberkommunikation und die mediale Konstruktion sexueller Selbstverhältnisse im 'BLICK' (1980-1995) und in aktuellen Internetforen

Sarasin, Philipp, Sabine Maasen (Wissenschaftssoziologie, Basel), Alfred Messerli (Volkskunde, Zürich)

MitarbeiterInnen: Peter-Paul Bänziger, Stefanie Duttweiler, Beatrice Schwitter, Annika Wellmann

Projektbeschrieb (PDF, 73 KB)

Unsichtbare Feinde – infizierte Körper

Politische Metaphern der Bakteriologie/Immunologie 1880-1950

Philipp Sarasin

Mitarbeiterinnen: Silvia Berger, Marianne Hänseler, Myriam Spörri

In diesem vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten und auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt (2001-2003) geht es darum zu untersuchen, welche politischen oder politisch konnotierten Metaphern sich in Texten der Bakteriolgie bzw. der Immunologie zwischen ca. 1880 und 1950 finden, und welche bakteriologischen und/oder immunologischen Aussagen sind im selben Zeitraum als Metaphern in populäre Diskurse transferiert wurden.
Das Projekt stellt wissenschaftliche und populärwissenschaftlichen Theorien in einen Zusammenhang mit politischen und sozialen Diskursen bzw. Ereignisketten, weil die Ausgangs-Hypothese postuliert, dass diese beiden Felder füreinander einen je signifikanten „Kontext“ darstellten, und dass sie über Metaphern bzw. Metapherntransfers miteinander verbunden sind.

Es sollen vier Fragekomplexe untersucht werden:
a) Wie weit ist die Sprache der Bakteriologie und der Immunologie von Metaphern geformt, die erkennbar aus nicht-biologischen/medizinischen Diskursfeldern stammen?
b) Aus welchen nicht-wissenschaftlichen Kontexten stammen diese Metaphern?
c) Wie veränderten die Sprache und die Repräsentationsformen der Bakteriologie/Immunologie das populäre Bild des Körpers seit dem Ende des 19. Jahrhunderts?
d) Welche politischen Diskurseffekte ergaben sich aus der (popularisierten) Bakteriologie/Immunologie?

Die Metaphern, um die es hier in erster Linie geht - Eindringling, Fremdkörper, Kolonisation, Selbst/Organismus, Angriff und Verteidigung, Kampf, Schlachtfeld, Vergiftung, Integrität, Reinheit - finden sich sowohl in den angesprochenen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Texten, wie auch in jenen politischen Diskursen, die ab 1880 die zeitgenössischen Wahrnehungen und Ängste von Migranten und sozial oder „rassisch“ Fremden, von Prostituierten als Trägerinnen von Infektionskrankheiten und schliesslich von Kolonien und Kolonialisierten als dem Fremden und Ansteckenden schlechthin formten. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt sich die, Frage, wie die Erfahrung der tödlichen Purifizierungsprogramme einerseits und das Verfügen über antibakterielle Wirkstoffe andrerseits das Reden über unsichtbare Feinde und infizierte Körper verändern.