Staatsrechnungen des Bundes 1849 bis heute

Historische Analyse, Online-Tool und Forschungsperspektiven

Das Schweizerische Bundesarchiv (BAR) hat die eidgnössischen Staatsrechnungen 1849-1997 inklusive Voranschläge digitalisiert und der Öffentlichkeit als PDF-Dateien online zur Verfügung gestellt. Zusätzlich soll ein Extratool es einer interessierten Öffentlichkeit ermöglichen, aus diesen Staatsrechnungen ausgewählte homogenisierte Zeitreihen abzurufen. Das BAR hat die Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Zürich (FSW), Lehrstuhl Jakob Tanner, beauftragt, den historischen Bestand „eidg. Staatsrechnungen“ zu analysieren und ein Modell für ein Online-Tool zu entwickeln. Dabei werden auch bisherige Forschungsinteressen und Forschungsresultate – etwa in der Form finanzhistorischer Zeitreihen – berücksichtigt.

Dass die öffentlichen Finanzen einer der „besten Angriffspunkte der Untersuchung des sozialen Getriebes“ seien, wusste schon der österreichische Volkswirtschaftler Joseph Schumpeter, als er 1918 gegen die Krise des Steuerstaates anschrieb (Schumpeter 1976: 332). Entsprechend strebt das Projekt in einem zweiten Teil die Skizzierung möglicher Forschungsarbeiten an, die auf der Grundlage der Staatsrechnungen und des aufbereiteten Zahlenmaterials untersuchen, wie gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung, politische Entscheidungen, Ereignisse und der Bundeshaushalt im 19. und 20. Jahrhundert interagierten. Dabei soll auch ein Beitrag zu Forschungskontroversen rund um Steuerstaat, öffentliche Schulden und Wohlfahrtsstaat geleistet werden: so etwa zur Frage, ob Staatsdefizite und -schulden in einer bestimmten Periode als Folge einer Politik des „deficit spending“ mittels expansiver Fiskalpolitik oder von ausserordentlichen Ereignissen (Kriege, Krisen) zu deuten sind.